Wenn Stille belastet: Warum Meditation bei manchen Menschen Ängste auslösen kann
Ein Bericht der Hindustan Times macht auf etwas aufmerksam, das in unserer Achtsamkeitskultur meist übersehen wird: Meditation kann nicht nur beruhigen, sondern manche Menschen auch tief verstören.

Die Psychologin Willoughby Britton, die an der Brown University über intensive Praxis geforscht hat, beschreibt Fälle, in denen Achtsamkeit Angst, Depression oder dissoziative Zustände auslöste. Das ist kein Grund, die Praxis zu fürchten — aber ein Grund, deinem Erleben zu trauen.
Wenn die Stille etwas aufreißt, statt es zu schließen
Es gibt eine stille Annahme in der Welt des Yoga und der Achtsamkeit: Wer meditiert, wird ruhiger. Wer nach innen geht, wird heil. Die Studie "The Varieties of Contemplative Experience", die Britton gemeinsam mit dem Religionswissenschaftler Jared Lindahl durchgeführt hat, befragte fast hundert westliche Praktizierende und Lehrende. Einige von ihnen berichteten von Angst, Panik, Entfremdung und Zuständen, die sich wie psychotische Episoden anfühlten. Andere Studien, auf die der Bericht verweist, schätzen, dass zwischen drei und fünfundsechzig Prozent der Übenden solche negativen Erfahrungen machen können.
Britton selbst, so schildert es der Artikel weiter, erlebte während ihrer klinischen Ausbildung eine Phase, in der sie nach einer langen Meditationssitzung auf ihrem Balkon zurück in ihre Wohnung trat und plötzlich nichts mehr vertraut erschien. Sie spricht von Dissoziation — einem Zustand, in dem du dich von deiner Umgebung, deinen Gefühlen oder deinem Körper abgeschnitten fühlst. Als sie Meditationslehrer um Rat fragte, wurde ihr Erlebnis als Zeichen spirituellen Fortschritts gedeutet und ihr geraten, weiterzumachen. Das Intensive nahm zu, statt sich zu lösen.
Darf ich dich hier kurz unterbrechen? Wenn dir etwas in der Praxis Angst macht, wenn du dich nach dem Sitzen unruhiger, leerer oder zerrissener fühlst als davor — dann ist das kein Zeichen, dass du zu wenig übst. Es ist die Sprache deines Nervensystems, die endlich Gehör sucht.
Eine alte Frage, neu gehört
Was hier nach einer modernen Diagnose klingt, begleitet die Meditationspraxis seit Jahrhunderten. Wie ein Beitrag auf The Conversation zeigt, sprechen buddhistische Traditionen seit Langem von sogenannter Meditationskrankheit — auf Chinesisch "chanbing", auf Japanisch "zenbyō", auf Tibetisch "loong". Ein Forscher hat mit einem internationalen Team ein Quellenbuch veröffentlicht, das Schriften, historische Dokumente und Erfahrungsberichte aus ganz Asien versammelt.
Sogar der Buddha wird in den Texten nicht als unfehlbar dargestellt. In einem Pali-Text aus den ersten Jahrhunderten beschreibt er Kopfschmerzen und andere Beschwerden durch Überkonzentration. Eine Schrift aus dem fünften Jahrhundert, entstanden im Königreich Khotan an der Seidenstraße, erzählt von geübten Meditierenden, die erschraken und den Verstand verloren, als plötzliche Geräusche sie aus tiefer Versenkung rissen. Die alte Frage, wann Praxis zu viel wird, ist also keine Erfindung unserer empfindlichen Zeit.
Was du jetzt für dich halten darfst
Wenn du meditierst — und vielleicht gerade deshalb diese Zeilen liest — dann darfst du dir drei Dinge erlauben.
Du darfst deine Sitzung kürzen. Fünf Minuten ehrliche Aufmerksamkeit sind mehr als eine Stunde, in der du gegen deinen Körper arbeitest. Wenn dein Atem flacher wird, wenn deine Schultern sich verspannen, wenn du dich entgleiten fühlst — dann ist die Sitzung zu Ende. So, ohne Erklärung, ohne Rechtfertigung.
Du darfst die Form wechseln. Nicht jede Stille passt in jeden Tag. Wenn dir geschlossene Augen und Atemzählen zu viel werden, darfst du gehen, tönen, schreiben, die Augen offen halten oder sanft den Körper bewegen. Eine Praxis, die dich stärken soll, darf sich anfühlen wie ein Ausatmen, nicht wie ein Kampf.
Du darfst dir Hilfe holen. Wenn dich etwas wiederholt nach der Sitzung verfolgt — Entfremdung, Schlafstörungen, Angst, das Gefühl, dir selbst fern zu sein — dann ist das ein Grund, dich an jemanden zu wenden, der dich körperlich und seelisch ernst nimmt. Solche Zustände gehören in begleitete Hände, nicht in stille Kämmerlein.
Und zum Schluss, lass es mich dir leise sagen: Du musst dich nicht durch etwas hindurchquälen, das dir nicht guttut. Eine Übung, die dich öffnen soll, darf dich nicht zerreißen. Wenn etwas schwer wird, darfst du innehalten, atmen und weich werden. Nicht weil du schwach bist — sondern weil du ehrlich mit dir bist.