Wie pflanzliche Wirkstoffe gezielt auf unsere Zellen einwirken
Im Gespräch mit kaernten.ORF.at hat Biologe Helmut Zwander die zellulären Wirkorte pflanzlicher Inhaltsstoffe eingeordnet: Bitterstoffe docken an spezifischen Rezeptoren an, ätherische Öle erreichen…

Im Gespräch mit kaernten.ORF.at hat Biologe Helmut Zwander die zellulären Wirkorte pflanzlicher Inhaltsstoffe eingeordnet: Bitterstoffe docken an spezifischen Rezeptoren an, ätherische Öle erreichen Nervenzellen bis zu den Rezeptoren, Saponine aus Hülsenfrüchten, Hafer, Quinoa oder Süßholz entfalten unterschiedliche Wirkungen im Körper. Für Anwenderinnen von Aromatherapie und Pflanzenkraft bedeutet das: Pflanzliche Wirkstoffe sind biochemisch messbar, nicht diffus.
Zelluläre Wirkorte verstehen
Die Zelle ist der eigentliche Wirkort pflanzlicher Inhaltsstoffe. „Bis vor wenigen Jahren hat man überhaupt nichts gewusst oder nur sehr wenig. Und jetzt weiß man, wo docken Bitterstoffe an, wo entfalten die Saponine ihre Wirkung", fasst Zwander den Kenntnisstand zusammen. Ätherische Öle aus Lavendel, Pfefferminze, Eukalyptus oder Zitrone gelangen über die Riechschleimhaut und die Haut in den Blutkreislauf und erreichen Rezeptoren des Nervensystems. Zwander ergänzt: „Und das geht bis in die Zelle hinein, bis zu den Rezeptoren und vor allem für Pflanzeninhaltsstoffe ist das ein unglaubliches Gebiet, das mit der Einflussnahme auf unser Nervensystem zu tun hat." Evolutionär habe das Gehirn viele Eingangspforten entwickelt, die Pflanzenstoffe gezielt nutzen.
Was die Zelle braucht — und was ihr schadet
„Die Zelle benötigt für ihr Wohlergehen ganz bestimmte Inhaltsstoffe", betont Zwander. Was die Zelle schützt, deckt sich demnach mit den Grundsätzen gesunder Lebensführung. Rotes, gelbes und grünes Gemüse, Hülsenfrüchte und Kräutertees liefern sekundäre Pflanzenstoffe, die auf zellulärer Ebene wirken. Wenig Fleisch, dafür eine ausgewogene pflanzenbasierte Ernährung — so die Empfehlung des Biologen. Demgegenüber stehen Faktoren, die oxidativen Stress auslösen: dauerhafter Stress, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, UV-Strahlung, Luftverschmutzung und chronische Entzündungen. „Alkohol ist immer ein Stressfaktor für die Zelle, das wissen wir", so Zwander.
Praktische Umsetzung im Alltag
Drei Punkte lassen sich aus der Forschung unmittelbar ableiten:
- Ätherische Öle gezielt auswählen: Lavendel, Pfefferminze, Eukalyptus oder Zitrone enthalten Pflanzenstoffe, die über die Riechschleimhaut und die Haut Rezeptoren des Nervensystems erreichen. Auf naturreine Qualität ohne synthetische Zusätze achten.
- Ernährung pflanzenbetont gestalten: Rotes, gelbes und grünes Gemüse, Hülsenfrüchte, Hafer, Quinoa und Kräutertees liefern Bitterstoffe und Saponine, die auf zellulärer Ebene wirken. Bewusst weniger Fleisch, dafür mehr Pflanzenkost auf den Teller.
- Zellstress aktiv reduzieren: Weniger Alkohol, Verzicht auf Rauchen und bewusste Stressregulation entlasten die Zelle messbar. Auch ausreichend Schlaf und regelmäßige Pausen zählen dazu.
Wichtig bleibt: Pflanzenstoffe wie Johanniskraut wirken pharmakologisch. Seit Jahrhunderten als Antidepressivum im Gebrauch, kann Johanniskraut ärztlich verordnete Medikamente nicht ersetzen und mit diesen in unerwünschte Wechselwirkung treten. Frauen, die bereits Medikamente einnehmen, sollten vor jeder Einnahme ärztliche Rücksprache halten.